Gestern Nachmittag rief mich Kristina an: Sie stand vor der Tür meiner Mutter und kam nicht rein (das neue Schloss und ich hatte noch keine Nachschlüssel gemacht). Sie hörte meine Ma aber die machte nicht auf.
Also habe ich meine Abendplanung (Autorenlesung) gecancelt und mich in die Bahn gesetzt. Es war eine bewußte Entscheidung gegen das Taxi: Zu teuer und ausserdem war die Vermutung das mal wieder das Duo infernale zugeschlagen hat - Demenz und Alkohol!
Und so war es auch: Als ich ankam machte meine Ma auf, konnte aber kaum aufrecht stehen - sie schwankte stark. Im Wohnzimmer ein Nest auf dem Boden (da hat sie wahrscheinlich gelegen und gepennt) und vier leere Bierflaschen.
Ich war stinksauer und habe auch mit ihr geschimpft - ob sie es nun versteht oder nicht und ob es was hilft oder nicht - aber ich konnte nicht anders. Selbst heute, während ich das schreibe, bin ich noch wütend auf meine Mutter!
Wo hat sie die Bierflaschen nur wieder her? Auch die Einlieferung ins Krankenhaus war an einem Donnerstag! Sie hat natürlich nichts getrunken (ihre Aussage, die sie wahrscheinlich auch wirklich glaubt!) - nur ihr Glas und Atem riechen nach Bier und das Leergut ist auch nicht vom Himmel gefallen!
Die Vermutung ist, dass eine Ex-Arbeitskollegin und Ebenso-Alkoholikerin sie Donnerstags "versorgt". Da hat sie nämlich frei. Und je zwei Flaschen standen an der Couch und zwei am Sessel. Also steht uns dieses Schauspiel jetzt jeden Donnerstag bevor?
Demenz ist schwierig, Alkoholiker sind schwierig, aber die Kombination stellt mich vor die absolute Ratlosigkeit!
Einem Alkoholiker ist nicht zu helfen, er muss ganz unten sein damit er selber beschließt etwas zu ändern. Doch dem dementen Alkoholiker ist kurze Zeit später nicht mehr klar, dass er/sie ganz unten war/ist. Toll!
Ich habe keine Ahnung was ich tun soll. Solange meine Ma nüchtern ist und ihre Tabletten nimmt ist sie körperlich fit und geistig soweit beieinander dass ich ihr zutraue noch eine Weile (nur wie lange noch) alleine zu leben. Doch sobald sie was trinkt geht es rapide abwärts...
Ihre Abhängigkeit scheint um einiges schlimmer zu sein und auch um einiges länger zu bestehen als ich wußte oder wissen wollte!
Die Erzählung von Elisabeth legt nahe, dass meine Ma schon während meiner Schulzeit an der Flasche hing, Vali erzählt mir, dass bei Opa im Keller immer eine Flasche Cognac für meine Ma stand und Kristina, dass sie und Valentina beobachtet haben wie meine Ma in der Eifel im Keller gebechert hat.
Es ist unglaublich wie blind ich war / sein wollte. Und das ist ein Punkt an dem ich mir über mich selber noch nicht klar bin...
Nun hoffe ich immer noch, dass wir es irgendwie schaffen meine Ma trocken zu bekommen oder sonst eine Lösung zu finden. Welche? Keine Ahnung. Ich weiß noch nicht mal wen ich Fragen soll.
Mein nächster Schritt wird sein mir heute die Adressen der Memo-Kliniken in Köln aus dem Buch ab zu schreiben und dort einen Termin für sie zu machen. Dann sehen wir mal weiter. Vielleicht kann mir dort jemand helfen.
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