Während dieses Sommers (2007) hatten wir den Eindruck dass meine Ma in der Eifel stark abgebaut hat:
Sie ist gefallen, saß nur noch im Sessel rum und war teilweise ein bischen wirr.
Wir haben es auf den reichlichen Alkoholkonsum zurück geführt.
In Köln hat sie munter weiter gebechert, also haben wir auch solche Katastrophen wie den zweiten Weihnachtsfeiertag (kein Kuchen fertig, sie war überracht das wir kommen) und auch die Tatsache dass sie weder Datum noch Wochentag weiß aufs Saufen geschoben.
Doch dann kam der Tag der das Problem akut machte:
15.01.2009:
Als ich abends kurz bei meiner Ma reinschauen will liegt sie im Wohnzimmer verkrümmt auf dem Boden. Ihr linkes Auge ist aufgeschlagen, ihre Sprache undeutlich und sie kann nicht aufstehen.
Nach dem fünften erfolglosen Versuch auf zu stehen hole ich die Feuerwehr. Meine Ma ist wie ein kleines Kind - verwirrt, ängstlich, komisch. Da eine halbleere Cognac-Flasche rumsteht liegt der Verdacht nahe, dass sie ihre Tabletten nicht genommen und gesoffen hat.
Sie wird ins Krankenhaus (Franziskus) eingeliefert.
Aus unverständlichen Gründen wird sie von einem HNO untersucht.
Der will mir meine Ma, die kaum stehen kann und auch geistig ziemlich durch den Wind ist mitgeben!
Nach längerem Hin-und-Her und nachdem er gesehen hat dass meine Ma es kaum aus dem Behandlungszimmer bis auf den Flur schafft war er dann endlich bereit sie auf zu nehmen. Sie landet in einem Bett der internistischen Station.
Zunächst heitßt es sie würde nur 24 h Stunden zur Beobachtung (wegen Gehirnerschütterung) da bleiben.
Am nächsten Tag warte ich dann mit ihr zusammen auf den Arzt: Von morgens 8:30 Uhr bis abnds 16:30 Uhr. In dieser Zeit führen wir das exakt gleiche Gespräch gut sechmal.
In dieser Zeit glaube ich nicht, dass meine Ma noch mal in ihre Wohnung zurück kommt. Ich halte sie für einen kompletten Pflegefall.
In meiner Verzweifelung und Hilflosigkeit habe ich sogar darüber nachgedacht meinen Job auf Halbtags zu reduzieren und mich den Rest des Tages um meine Ma zu kümmern.
Mit mehreren Anläufen gelingt es mir, durchzusetzen dass meine Ma auf die Internistische verlegt und durchgecheckt wird.
Die Besuche bei ihr sind anstrengend und zermürbend da sie auch viel weint.
Der nächste heftige Tag war dann der
20.01.2009:
Es war immer die Rede davon dass meine Ma "Ende der Woche" entassen wird.
Und dann klingelt an diesem Dienstag um circa 10:00 Uhr mein Handy: "Ihre Mutter wird morgen entlassen. So gegen 14:00 Uhr"
Ich falle aus allen Wolken! Ich habe immer noch keine Idee wie es weiter gehen soll...
Als dann keine 10 Minuten später der soziale Dienst anruft reisst es mir endgültig den Boden unter den Füßen weg. Angeblich hat meine Ma Pflege im Krankenhaus benötigt. Die medizinische Beurteilung wäre noch nicht gemacht. Die Tante weiß auch nicht, dass meine Ma morgen entlassen werden soll. Sie gibt mir die Nummer vom Clarenbach damit ich da nach einer Tagespflege frage.
Beim Clarnbach sind sie nett und es wären auch noch Stellen frei.
Doch dann klingelt wieder das Telefon: Entwarnung, Pflege brauch meine Ma doch noch nicht.
Und am Nachmittag höre ich dann noch die Stimme eines Engels: Die Pflegeberatung ruft an und hilft: Sie besorgt meiner Ma schon mal einen Medikamentendienst.
Ach ja, zwischendurch rief auch noch eine Schwester an, die die Entlassungzeit auf kurz nach dem Mittagessen vorverlegt...
Abends ist Tina bei meiner Ma. Sie erzählt, dass sie die Wohnung schon geputzt hat. Super, brauch ich es nicht zu machen.
21.01.2009:
Morgens schnell rüber zu meiner Ma, auf Alkohol kontrollieren, Heizung und Ofen an machen damit es nachher nicht so kalt ist.
Dann los und Nachschlüssel, Wasser und Blumen besorgen. Alles in die Wohnung schaffen, nach Hause die große Tasche holen und ab zu meiner Ma ins Krankenhaus.
Gemeinsam warten wir dann auf den Abschlussbericht der Ärztin.
Dabei kam dann auch folgendes Gespräch zustande (es ging um das Treppenhochschaffen):
Kleine: Es ist ja auch fraglich ob mein Sohn kommt.
Ich: Ähhh, ich bin Dein Sohn.
Kleine: Ich meine Peter...
Ich: Ich bin Peter.
Kleine: Der Andere
Ich: ??????
Und später als wir am Tisch saßen (ihr Bett wurde schon wieder gebraucht):
Kleine: Hab ich eigentlich meine Mutter angerufen.
Ich: ??
Kleine: Besser nicht, die jammert immer nur rum.
Ich: Deine Mutter ist tod!
Kleine: Ach so.
Nach Hause haben wir es dann ohne Probleme geschafft. Der Pflegedienst kam dann auch wie verabredet, eine nette Frau.
Ohne weitere Probleme wurde dann die Medikamentenversorgung geregelt.
Nach den Gesprächen habe ich mir erst mal Literatur zur Demenz beschafft.
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